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Stockholmer Schären

(von Traute Genthe)

 

Nachdem der Törn 2011 einfach perfekt verlief, sollte es in 2012 wieder mit Gespann nach Schweden gehen.  Wir, die Autorin und Crew Cathy, hatten vier Wochen Zeit, vom 21.07. bis 20.08.2012.

Hier rollten die Tiefs nur so über die Ostsee, aber rund um Stockholm schien meist die Sonne, also auf gen Norden!

Pünktlich 6 Uhr bei Regen waren wir unterwegs, bekamen in Puttgarden die nächste Fähre und vor der Öresundbrücke bekam die Wolkendecke Löcher. Am Vättern, wo wir rasteten, schien bereits die Sonne, und es war recht warm. Nach einer wirklich entspannten Fahrt erreichten wir um 18 Uhr 30 den Fiskerhamn von Oxelösund.

Das Gespann parkte ich am Hafen, und dann belohnten wir uns mit lecker Fisch im Hafenrestaurant. Nach einem Cognac als Anleger schliefen wir an Bord auf dem Trailer.

Am Sonntag weckte uns die Sonne! NO2-3 und strahlend blauer Himmel, das hatten wir schon länger nicht mehr erlebt. Da wir erst montags kranen konnten, verbrachten wir den Tag mit dem Einkauf von frischen Lebensmitteln etc. in Nysköping, Erwerb einer „Schärendusche“, eines Bootshakens und des fehlenden Kartensatzes ‚Stockholm Nord’.

Montag 14 Uhr wurde die „Tjalfe“ mit einem riesigen Gabelstapler zu Wasser gelassen. Wir stellten den Mast und verholten dann in den Gästehamn, wo wir in Rekordzeit das Boot klar zur Reise hatten und uns reichlich Zeit zum Lecker-Fisch-Essen blieb. Bus und Trailer waren auf dem eingezäunten und verschlossenen Gelände von Oxelösund Badsvarv gut untergebracht.

Ein Problem hatten wir mit der neuen Kuchenbude, deren Druckknöpfe sich leider nur mit einer Zange schließen und öffnen ließen. Also besorgten wir als Ersatz beim nahen Segelmacher Tenax-Knöpfe, Problem gelöst!

Bei Sonnenschein und flottem SW verließen wir dienstagmittags endlich Oxelösund und segelten zu unserer ersten idyllischen Schärenbucht auf Lilla Trässö.

Mittwochs nach einem Bad in der Bucht und dem Frühstück liefen wir mit leichten südlichen Winden durch die wunderschöne Schärenlandschaft weiter zur Västra Fagelskär.

Weil hier wirklich Sommer war mit Sonne und Wärme, fiel uns das tägliche Bad nicht schwer. Regenzeug blieb im Spind, kurze Hosen und Shirt waren unsere tägliche Kleidung.

Mäßige nördliche Winde und freieres Wasser bescherten uns Anlieger, Kreuz und ruppige See, und so wählten wir die Passage nördlich von Landsort, unser Tagesziel war eine Fjordlanschaft SW-lich von Nynäshamn, traumhaft.

Der Ankerplatz im Raholmsundet auf Järflotta war etwas ganz Besonderes! Man liegt nicht am Felsen sondern mit Heckanker am Sandstrand direkt im Wald, die Vorleinen um dicke Kiefernstämme geschlungen. Über die Badeleiter am Bug steigt man ins seichte Wasser, oder man benutzt das Beiboot als Shuttle. Warmes Wasser und schnell abfallendes Ufer machten das Baden zum Vergnügen.

Freitags, bei Sonne aber ziemlich flauem Wind gegenan, beschlossen wir, den inneren Schärenweg zu wählen, der uns durch den Dragetskanal (abenteuerlich eng), an Nynäshamn (Klassikertreffen),  an militärischem Sperrgebiet und U-Boot-Bunkern vorbei in den Vitgarnssund südlich Björnholmen führte - ein weiterer äußerst geschützter Naturhafen mit  Felsplätzen; einer schöner als der andere! Trotz des beginnenden Wochenendes gab es einsame Plätze.

Samstags Sonne warm SO! Nach Baden und Frühstück hatten wir wunderschönes Raumschotssegeln zum NW-Teil von Ornö. Die Einfahrt zur Kolnäsviken ist sehr eng, schwer wahrzunehmen und die Bucht hübsch und ein beliebter Naturhafen. Wir waren zeitig da und fanden einen idealen Platz, bevor sich die Bucht füllte, Wochenende! Es war inzwischen ziemlich heiß, und unsere Badeleiter hatte Hochbetrieb.

Nach ausgiebigem Sonntagsfrühstück mit gekochten Eiern wollten wir nach Smaängsviken, einer Naturhafenmarina an der Südspitze von Ingarö, die Cathy von einem Schwedenurlaub mit Jan kannte. Es ist ein Privathafen! Wieder bei Sonne, Wind und Wärme segelten wir dorthin, weil für Montag Starkwind und Regen angesagt waren. Sehr freundliche Dauerlieger dort empfahlen uns einen freien Platz und meinten, der Hafenmeister sei sowieso in Urlaub. Der Hafen war im Umbau, mit Dixi-Klos, Strom am Steg, aber ohne Trinkwasser. Es brieste beim Anlegen auf und gipfelte in ausgedehnten nächtlichen Gewittern, Generalprobe für die neue Kuchenbude, die sie mit Bravour bestand. Wir blieben dort den nächsten Tag, obwohl schon wieder die Sonne schien, es aber ordentlich blies, und vertrieben uns die Zeit mit ausgiebigen Sparziergängen in der wirklich schönen Umgebung zur Nachbarbucht und zu tausendjährigen Eichen. Ein Folkeboot, wohl auf dem Rücktörn vom Gold Cup kämpfte sich vorbei Richtung Saltjöbaden.

Auch am Dienstag blies es mit SW 5-7 und Traumwetter. Wir segelten nach Sandhamn, wo wir zum Einkaufen kurz anlegten, um uns dann auf Lökholmen einen Platz zu suchen. Dort war es nicht ganz so voll und man bekam ohne Wartezeiten einen schönen geschützten Platz.

Mittwochs segelten wir wieder bei schönem Wetter durch traumhafte Fjorde und Naturbuchten zu einem ausgedehnten Naturhafen, der leider bei SW nur wenige günstige Felsplätze bietet. Weite Teile sind sogar für´s Folkeboot zu flach mit felsigem Grund und eher für Motorboote geeignet, Hämö-Donklöva.

Weil wir dringend einen Dosenöffner, den es in Sandhamn nicht gab, brauchten und mal wieder Frischfleisch zum Grillen kaufen wollten, legten wir tags darauf in Berg auf Möja an, und fanden später einen sehr schönen Platz im weit verzweigten Buchtensystem von Träskö Storö. Ein Wunderbarer Grillplatz vorm Bug, sauberes Schärenklo ganz in der Nähe, idealer Badeplatz vom Fels aus und die wunderschöne Landschaft bewogen uns, einen Gammeltag einzulegen, Überhaupt sind die Nordschären von Stockholm herrlich, ein Naturhafen reiht sich an den nächsten.

Samstag, 04.08.12 - wir hatten noch zwei Wochen vor uns und beschlossen, die Alands dieses Mal außen vor zu lassen, das Gespann nicht nachzuholen und zum Ausgangshafen zurückzukehren. Eigentlich wollten wir Finnhamn nur passieren, aber dort war es so schön, dass wir blieben und abends zwar aus der Ferne aber in deutlicher, erträglicher Lautstärke ein Rockkonzert geboten bekamen. Der Fels, an dem wir lagen, hatte keine Spalten für Felshaken, sodass die Festmacher kreuz und quer zu den Kiefern hoch oben liefen.

Für den Sonntag hatten wir uns als Etappenziel die Schäre Gallnö ausgesucht. Da der Wind von dort kam, wohin wir wollten, wählten wir den direktesten Weg durch zwei Schilf-Engstellen mit 1,50m Tiefe und ca. 4m Breite, ideal für´s Folkeboot, kaum auszumachen, abenteuerlich, aber sehr schön! In der Bucht von Gallnö trafen wir ein Holzfolke und lagen dann mitten drin an einer steilen kleinen Felsinsel.

Morgens war es (Westseite) sehr schattig, weshalb wir uns statt zu baden für die Schärendusche (10l-Beutel mit Duschschlauch am Fockfall aufgehängt) entschieden.

Heute wollten wir nach Saltjöbaden, aber nicht auf den üblichen Weg, sondern über den Strömmakanal mit Klappbrücke, mehreren durchs Schilf führende enge Passagen mit max. 1,5m Tiefe, dazwischen weite Segelstrecken vorbei an herrlichen Grundstücken und einer Straßenbrücke mit 11,5m Durchfahrtshöhe. Für Segelboote größer als ein Folke und tiefer gehend nicht geeignet, aber landschaftlich extrem sehenswert!!!!  Das Wetter war warm und sonnig, zum Nachmittag hin bedeckt und kurz vor Saltjöbaden fing´s an zu tröpfeln. Erst, als wir in einer der wenigen kleinen Boxen fest waren und die Kuchenbude stand, fing es richtig an zu regnen. Glück gehabt.

Für den folgenden Tag war stürmisches Wetter angesagt, aber wir hatten sowieso einen Hafentag geplant. Dort trafen wir die „Blues“ - eine Yacht des KYC mit Liegeplatz schräg hinter der „Tjalfe“ in Strande.

Aber am Tag darauf war das Wetter eigentlich ganz gut, Sonne und Wolken im Wechsel, gelegentlich kurze Schauer, ideal zum Einkaufen, zum Proviant-Nachfassen. Also fuhren wir mit der Saltjöbanan zum nächsten ICA- Stormarket und versorgten uns mit Frischproviant, leckerem Räucherlachs, Krebsen, Salaten, Milch, Käse, Fleisch und vielem mehr. Wieder an Bord und hungrig gab es ein Schlemmermahl.

Welch ein Extrem, denn am folgenden Morgen war der Wind fast weg. Wir versuchten immer wieder zu segeln, wenn sich das glatte Wasser kräuselte. Es war schwülwarm, Schleierwolken am Himmel, Gewitter hing in der Luft. Später kam doch Wind zum Segeln auf, und die Wolken wurden immer dichter und dunkler. An einem Felsen in der Erikstorpsviken fanden wir einen geschützten Liegeplatz, bevor der Regen kam. Unter der Kuchenbude war es gemütlich, und das Gewitter zog übers Land ab.

Am nächsten Morgen blies es aus NO mit 5-6 bei bedecktem Himmel und lauer Luft. Ideal für einen schnellen Törn entlang der großen Insel Ornö, an deren Südspitze der äußerst geschützte große Naturhafen Varnöfladen in Form einer Raute liegt. Zuerst waren wir das einzige Boot an einer Felsnase, wieder mit idealer Aussteighöhe und Grillplateau, später kamen drei weitere Yachten und ein Motorboot an entfernten Stellen dazu. Die Bucht war so zauberhaft, dass wir einen Tag dort blieben. Hunderte von Enten bevölkerten sie, die dann zu unserem Spaß zeitweilig ausschwärmten. Außerdem war das Wetter herrlich warm und ideal zum Baden und Grillen. Flaute! Sonne! Glattes öliges Wasser, leider mussten wir fast eine Stunde motoren, bevor der SO-Wind als Anlieger einsetzte und uns zu einem interessanten Schärenarchipel brachte, das seewärts von Nynäshamn liegt. Dort zwischen den kleinen Felsinseln fanden wir an einer Felsnase einen geeigneten Platz für die Nacht, abgeschirmt von der Stadt, aber von Motorbooten stark frequentiert und daher etwas unruhig. Es war jetzt Sonntag der letzten Urlaubswoche, und wir wollten ein Bucht aufsuchen, die uns auf dem Hinweg aufgefallen war, Rassaviken südwestlich Nynäshamn. Wieder tauchten wir durch den Dragetkanal in das innere Schärenfahrwasser ein. Die Rassaviken erreicht man durch eine Schilfpassage, die sich in die längliche, fjordartige verzweigte Bucht öffnet. An einer Felsnase auf einem "Privatinselchen" fanden wir einen prima Platz, bevor es anfing leicht zu regnen, aber da bot die Kuchenbude schon Schutz. Weiter ging´s segelnd durch das verzweigte System aus größeren Schären und langen Fjorden, durch enge Schlupflöcher, Schilfwege und eine Drehbrücke. Unser Ziel war die Bucht an der Südspitze der recht großen Außenschäre Fifang. Im inneren der Bucht gibt es eine Außenanlage des Segelvereins von Trosa. Wir lagen im Westteil südlich eines hohen runden Felsens an eingelassenen Eisenringen und Heckanker. Es war warm und sonnig und lud zu einem langen Sparziergang ins Innere der Insel ein.

Unser Bad am nächsten Morgen - die Sonne schien, und es wehte ein kräftiger NO - war ein Schock - so kalt war das Wasser bisher nicht! Trotzdem drehten wir eine Runde, und ich wusch mir sogar die Haare, brrrr...max. 16°C. Ohne Sonnenschein wären wir nicht mehr warm geworden. 

Unser Ablegemanöver bei dem böigen Wind mit Publikum war spannend aber gekonnt erfolgreich. Da wir Puk, unseren Tender, bei der Rauschefahrt nicht Leine geben konnten, musste ich einen Aufschiesser fahren. Herrliches Segeln durch ein spannendes wunderschönes Archipel, wir wollten nach Ringsön, ein Buchtensystem auf halbem Weg nach Oxelösund. Das ist extrem geschützt aus allen Windrichtungen und sollte bei der Törnplanung nicht fehlen. In der Gropvik am steilen Felsen machten wir mit Heckanker und langen Leinen zu Kiefern fest. Das letzte Mal Grillen, Baden im warmen (!) Wasser und ‚Ruhe in der Natur genießen’, denn mittwochs wollten wir wieder in Oxelösund eintreffen.

Der NO wehte noch schwach. Es reichte zum Segeln, und wir hatten ja Zeit.

Zum Wochenende hin sollte das Wetter schlechter werden. Nachmittags 15 Uhr trafen wir im Fsikerhamn in Oxelösund ein und machten in einer freien Box fest.

Als Erstes wanderten wir zur Werft wegen eines Krantermins, und es war gut, einen Tag früher hier zu sein. Freitags hätten wir nicht kranen können, da die Werft wegen eines riesigen Pontons keinen Platz an der Pier gehabt hätte. Auto und Trailer  waren noch da, und den Bus nahmen wir gleich mit. Nun war Ausräumen angesagt, Puk ablassen und verpacken, Segel abschlagen und Boot schrubben. Für die letzten beiden Nächte mieteten wir eine Hütte (Stuga) am Hafen, weil ja Regen angekündigt war. Donnerstags Mast Legen und Verzurren klappten prima. Letztendlich wurde das Boot wieder mit dem Gabelstapler auf den Trailer gehoben. Über 900skr für Kranen und sicheres Parken des Gespanns kann man nicht meckern. Als das Boot abfahrbereit verspannt, die Ausrüstung verstaut und unsere Taschen, Schlafsäcke etc. in der Stuga waren, konnten wir uns entspannen - Zeit zum Fischessen gehen! Fahren wollten wir samstags in der Frühe. Den Freitag benutzten wir zur Einkaufstour nach Nysköping und zu Besichtigung des ‚Gammle Oxelösunds’.

Die Heimfahrt verlief ebenso entspannt wie die Hintour und reibungslos, gegen 21 Uhr trafen wir in Strande ein und parkten das Boot auf dem Hafenvorfeld.

Zum Sonntagfrühstück mit schwedischen Leckereien kam Jan, Cathys Partner aus Hamburg. Ausgiebig gestärkt setzten wir die „Tjalfe“ in Strande wieder in ihr Heimatelement und stellten den Mast. Wieder hatte sie keinen Schaden beim Trailern genommen, obwohl es ab Linsköping sehr warm und sonnig war.

Fazit: Wir hatten herrliche entspannte Segelwochen ohne Hektik in einem Traumrevier. In 2013 soll es wieder per Trailer zum Törngebiet gehen, wohin wissen wir noch nicht!

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