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Ferientörn im Land der Folkeboote

 von Lars Bræstrup MARIA,  F DEN 1048

In unseren Ferien wollten wir mal den westlichen Teil der norddeutschen Förden und Buchten besuchen. Dort gibt es schöne Segelreviere, auf denen richtig was los ist. Lene und ich segeln seit vielen Jahren Folkeboot und genießen das einfache Boot, das so gut zu segeln ist. Mittlerweile segeln wir die MARIA F DEN 1048, ein Boot, das 1991 komplett aus Glasfieber gebaut wurde. Wir segeln gerne Regatten, aber wir können das Boot auch problemlos mit einer Sprayhood, einer Kuchenbude und mit vielen anderen Details ausrüsten, die das Tourensegeln bequemer machen. Wir haben einen Alumast und schätzen den Vorteil, Mastrutscher am Vorlik des Großsegels zu haben, die die Manöver einfacher und sicherer machen. Viele Jahre lang sind wir in unseren Ferien Richtung Norden gesegelt und haben sowohl Norwegen als auch Schweden besucht. Es war schon eine Weile her, das wir die deutsche Küste entlang gesegelt sind. Also planten wir 3 bis 4 Wochen für einen Törn in die norddeutschen Fjorde ein und freuten uns darauf, das Seglerleben und die Kultur dort kennen zu lernen.

Wir hatten eine schöne Tour über Dyreborg in die dänische Südsee nach Maasholm. Hier lagen wir zwischen vielen anderen Booten und auch ganz vielen Folkebooten. Dort gibt es einen Vercharterer mit fünf Holzbooten, die an Segler verliehen werden, die mal ein richtiges Holzfolke segeln möchten. Außerhalb Maasholms war viel Verkehr auf der Schlei und unter den vielen Booten waren auch mehrere Folkeboote. Wir kamen darauf zu sprechen, dass es hier viel mehr Folkeboote gab als in Dänemark und das fiel immer uns immer wieder auf in unseren Ferien an der deutschen Küste.

Wir setzten unsere Reise gen Süden fort Richtung Eckernförder Bucht und weiter nach Strande. Wir gönnten uns auf dem Weg eine kleine Wettfahrt mit Harald aus Schilksee. Wir hatten ungefähr die gleiche Ausstattung mit einem Alumast mit Mastrutschern im Großsegel und Barberholer an der Fock. Aber Harald kennt die Kieler Bucht besser als wir und kam als Erster an. Wir rundeten das Bülker Feuer und liefen während eines heftigen Regenschauers in den gemütlichen Hafen von Strande ein und fanden einen guten Liegeplatz. Hier gab es ja einen ganzen Steg dieser schönen Folkeboote! Die deutschen Folkebootsegler passen so gut auf ihre Boote auf und decken sie zu, wenn sie im Hafen liegen. Das sieht man in Dänemark nicht so oft. Ich konnte den ganzen Abend herumgehen und mir die vielen unterschiedlichen Details an den Folkebooten angucken. Ich hatte den Hafen schon früher mal besucht und wusste, das er so eine Art Folkebootezentrum ist. Am nächsten Tag gingen wir rüber zum Olympiahafen in Schilksee und hier waren wieder ganz viele Folkeboote. Und als wir auf die Förde guckten waren da auch mehrere Folkeboote auf dem Wasser. Die Deutschen segeln ihre Folkeboote! Hier wird der Segelsport aktiv betrieben und viele Segler verbringen richtig viel Zeit mit ihren Booten.

Wir segelten weiter hinein in die Kieler Förde bei einem frischen Westwind und freuten uns über die vielen Boote, die auf dem Wasser waren. Es hieß aber auch, gut Ausschau halten. Es gab nicht nur kleine und große Sportboote, nein, es gab auch große Containerschiffe, die einem kleinen Folkeboot nicht ausweichen. Wir machten einen schönen Schlag vorbei an der Schleuse Kiel-Holtenau und legten in Düsternbrook beim Kieler Yacht Club an. Hier lagen wir gut und es war alles in bester Ordnung. Von hier aus war es kein langer Weg hinein in die Kieler Altstadt und das genossen wir sehr. Es waren so viele Schiffe auf der Förde, darunter auch wieder Folkeboote… Das ist so schön zu sehen, dass die Leute ihre Boote segeln. Das war ein herrlicher Zwischenstop in Kiel mit netten Leuten und vielen Erlebnissen für Touristen und andere Besucher. Am nächsten Tag gingen wir Richtung Norden zum Hafen in Wik südlich von Holtenau, und auch hier lagen mehrere Folkeboote. Das ist toll zu sehen, das es hier überall Folkeboote gibt!!

Später am Tag segelten wir gen Norden an der Ostseite der Förde entlang und passiertendie die Häfen von Mönkeberg und Möltenort. Wir setzten den Kurs ab auf den Hafen Laboe. Hier fanden wir einen Platz mitten unter den hier beheimateten Folkebooten. Echte Ferienstimmung machte sich breit: Es war Sonntag und Sommerstimmung überall, ein super Sommertag und es war eine Menge los. Wir schlenderten über die Strandpromenade hinüber zum Marine-Ehrenmal und überall standen kleine Stände und Bierbuden. An diesem Tag wurde das Finale der Fußball Europameisterschaft gespielt, daher wurde es an diesem Abend ein wenig später. Hier in Laboe gab es viele schöne Schiffe zu gucken, sowohl moderne als auch klassische, für einen Bootsbauer gab es also eine Menge zu entdecken.

Nachdem wir das Nötigste eingekauft hatten, setzten wir Vollzeug und steuerten auf die Landspitze beim Bülker Feuer zu. Als der Wind aus West-Süd-West auffrischte, refften wir das Großsegel und stiegen ins Ölzeug. Die Sonne kam und ging … und der Regen auch während wir von der Landspitze beim Stoller Grund bis zum Marinestützpunkt in Eckernförde bei 10 bis 12 Metern pro Sekunde gegenan kreuzen mussten, eine nasse Angelegenheit. Der Wind kam in Böen, da passte es gut mit dem gerefften Großsegel. Nach vielen Wenden und Wellen kamen wir beim Marinestützpunkt um die Ecke und konnten einen Schrick auf die Schoten geben. Wir sahen, wie zehn Fallschirmspringer aus einem Flugzeug sprangen, das langsam vorüberflog. Sie landeten im Wasser ca. eine halbe Seemeile hinter uns und wurden von einem RIB Boot aufgelesen. Wir beschlossen, in den Stadthafen auf unserer Backbordseite einzulaufen und bekamen einen guten Liegeplatz in Lee der Wellen und der Dünung. Hier blieben wir ein paar Tage und nutzten die Gelegenheit, den Segelclub auf der Nordseite zu besuchen. Hier lagen zehn ganz feine Folkeboote mit vielen interessanten Details. Das ist eine beachtliche Flotte, und was ich so in der Folkenews lese, werden die Boote aktiv gesegelt.

Wir segelten weiter nordwärts an der Küste entlang, an Damp und Schleimünde vorbei und weiter hinein zu einem Zwischenstop bei Anchers Yachting. Hier lagen wir sehr schön und es war nicht so weit in die Stadt und zum Einkauf. Es ist viel los auf der Schlei und es gibt viel zu entdecken. Wir setzten unsere Reise fort durch die Brücke bei Kappeln und legten in Grödersby bei Arnis an. Hier wird die Tradition der Holzbootsegelei hoch gehalten und für mich gab es eine Menge zu gucken. Und wieder sahen wir 12 bis 15 Folkeboote in der Gegend und freuten uns, wie vieler Segler hier auf das kleine Segelboot mit den guten Segeleigenschaften setzen. Eine interessante Umgebung ist das hier in Arnis und auch die Häuser sind alle so gut erhalten.

Eigentlich wollten wir bis Schleswig segeln, aber die Wetteraussichten versprachen kein gutes Wetter und zu Hause hatten wir noch einginge Dinge zu erledigen, also segelten wir zurück nach Maasholm. An mehreren Orten kamen wir mit anderen Folkebootseglern in Kontakt, wir tauschten Ideen aus und guckten uns unsere Boote an, wir profitierten also richtig gut von dem Netzwerk der Folkebootsegler. Am nächsten Tag segelten wir bei Südwestwind hoch um das Skoldnæs Feuer und konnten Søby anlaufen. Von hier aus ging es über Revkrog auf Avernakø erstmal nach Hause.

Nach ein paar Tagen zu Hause in Svendborg liefen wir wieder aus und segelten westwärts und freuten uns über unseren Gennaker und schließlich fanden wir einen tollen Ankerplatz bei Bøjden in der Helnæsbucht. Am nächsten Tag machten wir eine schöne Tour um die Nordspitze von Als herum und kamen zu einem anderen schönen Ankerplatz in Sandvig auf der Ostseite der Alsfjordes. Hier liegt man gut bei östlichen und südöstlichen Winden. Wir trafen uns mit Familienangehörigen in Sønderburg und segelten gemeinsam Richtung Langballigau. Und hier legte ein Folkeboot unter Segeln an… Ja, so macht man es richtig! Von hier aus ging unsere Tour weiter nach Flensburg und wir genossen das Leben dort. Hier liegen viele schöne Boote und das Leben pulsiert am Hafen und in der Stadt. Später dann kamen wir nach Glücksburg und hier gibt es Folkeboote! Eine lange Reihe fällt einem ins Auge und kündet von der Leidenschaft und der Freude an diesem Boot. Es gab eine Menge zu gucken und ich kam mit einigen der Eignern ins Gespräch. Hier ist richtig was los und die Klasse gedeiht prächtig. Nach einem kleinen Spaziergang in der Umgebung verließen wir dieses Folkeboot-Mekka und segelten an den Ochseninseln entlang nach Gråsten. Unser Törn ging weiter über Marstal, Strynø, und Rudkøbing heim nach Svendborg. In Marstal lagen sechs Gast-Folkeboote, von denen vier aus Deutschland waren.

Wir konnten auf unseren Törns sehen, dass die Deutschen ihre Boote viel mehr zum Tourensegeln als wir es in Dänemark machen. Und es gibt mehr Leidenschaft, eine längere Tour in diesem relativ kleinen Boot zu machen. Wir treffen nicht oft Dänen mit Folkebooten auf unseren Törns und ein großer Teil der Segler, die wir in Dänemark treffen, sind aus Deutschland. Wir haben das sehr genossen zu sehen, wie weit verbreitet das Folkebootsegeln in Deutschland ist und wie eifrig die Boote gesegelt werden.

Man kann sich gut bei einer Segeltour in den norddeustchen Förden, Buchten und Häfen inspirieren lassen, es ist eine Bereicherung für die Klasse und es nutzt der Seglergemeinschaft. Hier gibt es sowohl GFK als auch Holzboote, gut erhaltene und gut ausgestattete. Wir haben regelrecht gespürt, wie sehr die Deutschen das Folkeboot schätzen und es genießen, es zu segeln. Wir freuen uns schon darauf, die deutschen Segler in ihrem Heimatland ein anderes Mal besuchen zu können.

Fotos vom Autor
Übersetzung aus dem Dänischen: Vincent Büsch

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