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Mit "Tjalfe" nach Schweden 2009

(von Traute Genthe)

Seit drei Jahren erzähle ich schon, dass ich mal wieder in den westschwedischen Schären segeln möchte. Aber wie kommt man da am besten hin, mit der Fähre ist es zu teuer, für das Trailern fehlt mir das entsprechende Zugfahrzeug (mein Sohn kann seinen Firmentransporter keine 4 Wochen entbehren), also bleibt nur hinsegeln. Meine Freundin Cathy, Crew auf meinen Sommertörns, hat nur maximal 3 Wochen Zeit. Aber Marlies aus Schilksee, eine gute Bekannte und Seglerin, bietet sich für den Hintörn an.

Am Samstag, den 01.08.2009, um 10 Uhr 15 starten Marlies und ich bei schönem, recht warmem Wetter in Strande mit voll beladener "Tjalfe". SO 2-3 sind angesagt, und wir planen, den Großen Belt anzusteuern. Aber der Wind dreht auf Ost, und so nehmen wir Kurs auf Marstal. Wir wollen so weit wie möglich nordwärts kommen. Es läuft prima, Wind und Strömung sind günstig, und um 19 Uhr quetschen wir uns in die letzte freie Lücke an der Nordmole in Dageløkke. Die Badeleiter muss als Ausstiegshilfe an der hohen Pier herhalten. Wir sind sehr zufrieden, fast 50sm ohne Motoreinsatz am ersten Tag geschafft zu haben.

Vom DMI wird ein Hoch angesagt mit SO und später O, daher beschließen wir, Kurs auf die westschwedische Küste zu nehmen. Anholt muss warten. Auf dem Rücktörn wird es dort wohl nicht mehr so voll sein. Bei leichten bis mittleren SO-Winden geht es weiter nach Kerteminde, wo wir uns über die sehr gestiegenen Liegeplatz- und Duschgebühren ärgern. Die Folkeboot-Centralen scheint verwaist

Dann lässt der Ostwind auf sich warten, denn westliche bis südwestliche Winde schieben uns langsam über den stark befahrenen Großen Belt. Wir müssen beim Queren des Zwangsweges einige Ausweichmanöver fahren. Bei Røsnæs Puller schläft der Wind ganz ein, und die Schwebfliegen überfallen uns. Ich starte den Motor und reiße genervt die Fock runter. Verdammt, der Vorläufer fehlt, was nun? Wir steuern den kleinen beschaulichen Fischerhafen Røsnæs Havn an. Die Sonne brennt erbarmungslos auf uns herunter. Es gibt im Hafen einige Boxen mit Heckpfählen an der NO-Mole, eine davon frei und grün, die nehmen wir. Wir sind der einzige Segler im Hafen. Mit einer langen Stellnetzstange, an die ich einen Haken klebe, angle ich das ausgerauschte Fall wieder nach unten. Die Kuchenbude dient uns als Sonnenschutz.

Leichte nördliche Winde, die später fast einschlafen, bringen uns tags darauf nur langsam voran, wir müssen ca. 12sm um Sjællands Odde motoren und beschließen, Odden Havn anzulaufen. Der Hafen ist voll, aber für ein Folkeboot ist immer noch Platz ganz innen im flachen Wasser. Das Cafe "Tunen"  scheint der Szenetreff der Landjugend zu sein. Wir amüsieren uns bestens.

Am nächsten Morgen ist es hochnebelartig bedeckt, und es weht ein handlicher NNO-Wind, der uns stetig gen Gilleleje bringt, das wir gegen Abend erreichen. Beim Manöver im Vorhafen kommen uns Scharen von Seglern entgegen. Trotzdem ist der Hafen übervoll. Später wissen wir: auch hier segelt man Mittwochsregatten. Wir mogeln uns vorbei an Päckchenliegern ganz nach innen landwärts des innersten Steges, wo man wirklich nur mit geringem Tiefgang liegen kann. Es gefällt uns dort so gut, dass wir bei herrlichstem Wetter einen Hafentag für Einkaufsbummel und Faulenzen einlegen. Das Hoch ist da und lässt uns schwitzen.

Am 07.08. nehmen wir Kurs auf den Kullen. Davor ist es flau, und dahinter weht es schlagartig ablandig mit 3-4 Bft. Es ist sehr heiß und wolkenlos, nachmittags schläft der Wind ein, sodass wir mit Mühe Grötvik, einen Privathafen südlich von Falkenberg, erreichen. Nach dem Anlegemanöver fühlen wir uns wie Dampfkessel vor der Explosion, da hilft nur noch ein Sprung in das kalte Wasser. Der nächste Morgen beginnt traumhaft, klar, wolkenlos mit O-SO 4, wir kommen gut voran und sind bereits nachmittags in Träslövsläge bei Varberg.

Erste einzelne Untiefen, Felsen und Inselchen lassen auf unserem Weg weiter nordwärts die Schären erahnen. Es ist schwachwindig und diesig, weshalb wir 2 Stunden motoren müssen. Bei Bua zieht Regen auf, der NO-Wind mit sich bringt. Wir können segeln und müssen das erste Mal auf der Fahrt das Regenzeug über Shorts und Shirt anziehen. In den Schären zieht eine schwarze Wand über Land auf. Wir verzichten auf die letzten 12sm bis Göteborg  und laufen Lerkil an. Ein riesiger Yachthafen ohne Komfort für Gastlieger. Es gibt nur eine Toilette und keine Duschen. Der Himmel ist mit schwarzen Wolken verhangen, die Luft bleiern, es grummelt, aber kein Gewitter reinigt die Luft. Am folgenden Morgen ist es wieder klar, und es weht ein kräftiger Südwind. Durch die Schären rauschen wir platt vorm Laken gen Göteborg, wo wir schon mittags in Långedrag fest machen. Wir sind verwöhnt, 9 Tage lang war nur "kurze Hosen Wetter"!

Morgen, Dienstag, den 11.08.2009, will Cathy im Laufe des Nachmittags mit dem Auto aus Hamburg kommend bei uns eintreffen. Wir haben also noch ausreichend Zeit, die wir für einen Stadtbummel und Erkundungen der Umgebung nutzen.

In der Nacht dreht der Wind auf NW und nimmt zu, Schauerböen machen unsere Tour in die Innenstadt recht nass, aber es ist warm und nachmittags zu Cathys Empfang scheint überwiegend die Sonne. Was in so einen Golf alles hineinpasst, denn Cathy hat für reichlich Nachschub gesorgt. Wir können bei Sonnenschein einladen und "Tjalfe" schluckt geduldig alles, ohne ihren Bauch wesentlich zu senken. Trotzdem, das ruhige Wetter mit windstillen Nächten ist vorbei. Dann  gibt es erst einmal einen Anleger für Cathy, einen Ableger für Marlies mit viel Dank für die harmonische Hintour und einen kräftigen Schluck für Rasmus, damit er uns weiterhin wohl gesonnen sein möge.

In der Nacht bläst es durchgehend aus NW mit 5-6 Bft, am nächsten Morgen zunehmend mit 6-7 Bft. Wir stehen früh auf, denn Marlies will mit dem Auto nach Kiel zurück fahren. Sie startet kurz nach 8 Uhr. Cathy ist noch groggy von Fahrt und den Nachtdiensten direkt davor. So beschließen wir, einen weiteren Tag zu bleiben und nochmals die Innenstadt unsicher zu machen.

Der folgende Morgen bringt handiges Wetter mit Wind aus WSW. Nach gemütlichem Frühstück verlassen wir den gastlichen Yachthafen Långedrag und kreuzen entlang des North Channels westwärts. Bei Tonne 20 tauchen wir in das Schärenfahrwasser ein. Wir segeln durch den wunderschönen inneren Schärenweg, vorbei an Marstrand, das wir uns für den Rückweg aufheben wollen und wählen als Tagesziel die Schäre Stora Dyrön. Der Wind hat stark zugelegt und auf NO gedreht. So gehen wir in den geschützteren Sydhamnen. Es gefällt uns hier sehr gut, Hafen und Ort sind idyllisch. Lange noch sitzen wir unter der Kuchenbude, plaudern und leeren die erste Flasche Rotwein.

Der ruppige NO hält an. Da wir innen rund Tjörn und Orust segeln wollen, stört uns das nicht. Trotz strahlenden Sonnenscheins wird es nachmittags frisch, zur Bermuda kommt das Fliesshirt. Durch den Hake Fjord und Svanesund geht es zwischen bewaldeten Felsen zum Havtensfjord, anspruchsvolles Segel bei ständig drehenden, da abgelenkten Winden - Talsperrenphänomen. Als Platz für die Nacht haben wir uns eine kleine Schäre westlich von Vindön ausgesucht. Mit Heckanker und Bugleine zum Felsen finden wir auf Tvyklippan einen idealen Platz, wobei sich der Felshaken erstmals nützlich macht. Tvyklippan macht seinem Namen alle Ehre, zwei bewaldete Felsen verbunden mit einer Talschneise. Es wird eine sehr ruhige Nacht, als der Motorbootverkehr aufhört.

Mit dem Samstag beginnt die dritte Woche des Sommerurlaubs. Der Wind hat schon wieder gedreht auf S mit zunehmender Tendenz. Für Sonntag sagt der Windfinder SW bis W 8-9 Bft voraus. Dann möchten wir eigentlich als nördlichsten Punkt Smögen erreicht haben. Wir frühstücken in Ruhe und gehen Anker auf. Wir wollen durch den Rabergsund und Getevikssund in den Gullmarn Fjord. Nur mit Groß fädeln wir uns in das abenteuerlich enge Fahrwasser ein, bei Entgegenkommern muss ich das Groß dicht nehmen. Aber es lohnt sich, es hat geschützte Ankerplätze, und lauschige Buchten laden zum Verweilen ein. Zwischen Felsen gibt es Wäldchen, saftige Weiden und Sommerhäuschen. Im Gullmarn Fjord erwartet uns S 5-6 Bft, der schnell auf 6 zunimmt als wir Lysekil passieren. Unangenehme Kreuzseen, die durch die kleinen Außenschären kaum gehindert vom Skagerrak auflaufen, lassen uns bei achterlichem Wind schwer geigen. Der Wind nimmt weiter auf 6-7 Bft zu, und ich mache in der unruhigen See statt Halse eine Kuhwende, um das Rigg zu schonen. Wir beschießen, die Schäre Stora Kornö anzulaufen. Man liegt  dort mit Heckbojen und Bugleine seewärts an der Mole zwar geschützt aber durch Schwell  recht unruhig. Im Hinblick auf den angekündigten Starkwind wechseln wir in den bei W geschützteren Hafen von Lilla Kornö, der nördlichen Nachbarschäre. Dort finden wir einen freien Platz in einer Box, die aber später von einem kleinen offenen Motorboot als Dauerliegeplatz beansprucht wird, weshalb wir per Hand drei Plätze nach außen verholen, wo wir hinter einem hochbordigen Dauerlieger es wesentlich geschützter haben. Das Inseldörfchen ist sehr hübsch und überwiegend durch Feriengäste bewohnt, Es gibt keine Versorgungsmöglichkeiten. Die Süßwasserversorgung erfolgt über Regenwasserseen in den Felsen, Trinkwasser gibt es nur bei einer Grundwasserpumpe im Tal. Das Dorf hat keine Kloake, weshalb man auf Eimern mit Klobrillen Plastikbeutel füllen muss, das stinkt bestialisch. Daran würden wir uns nie gewöhnen. Am Sonntag bläst es bei strahlendem Sonnenschein junge Hunde, und wir sind froh, einen sicheren Platz zu haben.

Die Insel ist schnell erkundet, und wir verbringen den Nachmittag mit spannender Lektüre. Ein Holzseekreuzer aus Kiel liegt hier schon den dritten Tag. Heute ist die schwedische Sommersaison zu Ende, und die schwedischen Feriengäste werden trotz des Sturms mit Fischerbooten ans Festland gebracht - zuletzt die Familie des Hafenmeisters.

Morgens darauf hat es auf SW 6-7 Bft abgenommen, und wir wollen hier weg. Mit raumem Wind schießen wir aus der Abdeckung von Lilla Kornö hervor und die Skagerrakwelle erwischt uns voll. Rauschende Achterbahnfahrt bringt uns in die Abdeckung von Malmön. Wir haben genug und gehen dort in den Gästehafen. Wir hoffen auf nachlassenden und drehenden Wind. Ruhiges Ankern in den Schärenbuchten, wie ich es von früher kenne, scheint uns nicht vergönnt zu sein. Ich rufe meine Kinder an Sie sind mit ihrer BB10 ebenfalls in den Schären unterwegs, haben den Sturm in Grebbestad abgewettert. Sie waren auf den Koster Inseln.

Nun haben wir schon Dienstag, und der Wind flaut nur langsam ab. Da er am Mittwoch auf eher südliche Richtungen drehen soll, kehren wir zwischen Smögen und Kungshamn um und beginnen mit der Rückreise. Der NW später W-Wind bringt uns bei sonnigem Wetter schnell durch das Schärenfahrwasser nach Käringön, auf ungeschützten Strecken ist ein geradezu grotesk kabbeliger Seegang von durcheinander laufenden und reflektierten Wellen. Der Westwind bläst durch die Ankerbucht von Hermanön, weshalb wir auf das Ankern dort verzichten und nach Käringön weitersegeln, wo wir im alten Hafen längsseits einen Platz finden. Der Ort mit seinen Lädchen und gemütlichen Kneipen gefällt uns sehr und lädt zu einem ausgiebigen Spaziergang rund um die Insel und zu der alten schönen Kirche ein. Wir haben noch 3 Tage für die Schären, samstags müssen wir in Langedrag ein, weil wir dort Cathys Lebensgefährten Jan an Bord nehmen wollen, der sich uns für den Rücktörn anschließen will.

In dieser Nacht legt sich der Wind fast völlig und weht morgens mit S 2-3 Bft, auch der Seegang beruhigt sich. Wir wollen noch einen Abstecher in die Inselwelt zwischen Orust und Tjörn machen und zwar zu einer Schäre, die als sehr schön beschrieben wird - Kälkerön, was auch wirklich zutrifft. Sie ist eine idyllische Mischung aus Felsen, seichter Bucht, Wiesen und hohen Bäumen. Ein Einsiedler hält dort eine Schafherde, die in den Klippen herumklettern. Wir erkunden die Umgebung zum Abend hin und werden von Stechmücken überfallen. Zum Glück hat unsere Kuchenbude achtern ein Moskitonetz, so bekommen wir Luft in der schwülen Abenddämmerung. Drei Boote liegen mit Heckanker und Bugleine hinter der Felsnase im Windschatten, zum Fahrwasser hin eine schwedische 36" Segelyacht, wir in der Mitte und innen ein Motorboot. Leider dreht der Wind nachts um 2 Uhr entgegen den Vorhersagen auf SO und frischt schnell auf 5-6 Bft auf. Die Anker halten nicht, und die Boote treiben an die Felsen. Wir packen die Kuchenbude ein, an Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Das Motorboot verlässt fluchtartig die Bucht und lässt Bugleine mit Felshaken zurück.

Der Schwede bringt eine Spring nach Backbord aus und hält während der ganzen Nacht mit den Beinen den Bug vom Felsen ab. Dank des langen Vorfußes zum Kiel liegt "Tjalfe" relativ sicher fast parallel zum Felsen. Wir müssen das Morgengrauen abwarten, denn das Fahrwasser ist unbefeuert und mit Untiefen gespickt. Um 5 Uhr 30, als die Felsen langsam Perspektive bekommen, verlassen wir fluchtartig  die Bucht und motoren die zwei Meilen zu dem Privathafen Björholmen. Um 6 Uhr haben wir fest gemacht, die Kuchenbude aufgebaut und kriechen todmüde in die Kojen. Als wir nach 5 Stunden aufwachen, ist herrliches Wetter, aber es bläst aus SO mit 6-7 Bft. Also bleiben wir heute hier in dem hübschen Naturhafen und faulenzen in der Sonne.

Welch ein Wetterumschwung, morgens regnet es, und es ist Flaute - egal wir müssen weiter. Also motoren wir nach Marstrand. Kurz nach Mittag machen wir am Gästeschlengel fest, die Sonne scheint wieder. Dann wandern wir durch die Altstadt, die ziemlich ausgestorben wirkt. Gegen Abend füllt sich der Hafen schnell mit schwedischen Wochenendseglern. Radiolärm und lautes Palavern lässt uns in der Nacht kaum schlafen. Der Wind hat nur eine Atempause eingelegt, denn als wir morgens darauf unter Segeln ein feines Ablegemanöver machen, bläst es schon wieder tüchtig aus West. Es wird ein schneller schöner Törn nach Langedrag, wo wir nachmittags Jan von der Straßenbahn abholen.

Heute, Sonntag, beginnt unsere letzte Woche, denn spätestens am 31.08.09 muss Cathy wieder in Hamburg sein. Wir haben mit SW 3-4 Bft einen Anlieger nach Varberg, wo wir die Nacht über im Jachthafen Getterön liegen. Der SO-Wind bringt uns am nächsten Tag schnell nach Anholt. Eindeutig: die Saison neigt sich dem Ende zu, denn im Hafen kann man an den Stegen längsseits liegen, und es gibt noch Lücken. Morgen wollen wir in Anholt bleiben, denn dann habe ich Geburtstag. Als ich morgens aus der Dusche komme, laufe ich meinem Sohn in die Arme, der mir freudestrahlend gratuliert. Er, Dagmar und Erik sind von Göteborg durchgesegelt und in der Nacht in Anholt angekommen. Er hat schon beim Fischer riesige Schollen und 4kg Königskrabben gekauft für unser abendliches Geburtstagsessen. Mein Enkel Erik kommt als erster zu uns zum Frühstück, später folgen seine Eltern. Es wird ein sehr harmonischer Geburtstag.

In der Nacht entlädt sich ein Gewitter mit Mittelmeer Ausmaßen, dem die Kaltfront mit SW-Wind nachfolgt. Wir beschließen, nach Gilleleje zu segeln. SW-W 6 Bft bringt uns in Rauschefahrt dorthin. Kurz vorm Hafen schläft der Wind ein, dreht nach Süd und wir müssen in den Hafen kreuzen. Ab jetzt ist das Wetter gegen uns, denn es bläst aus Süden mit 5 Bft. Da wir den Morgen in Gilleleje vertrödeln, schaffen wir es nur bis Helsingör. Der Himmel zieht sich zu, und es beginnt zu regnen, als wir tags darauf weiter segeln. Wir müssen bis Kopenhagen kreuzen und der Wind wird immer heftiger, daher sind wir froh, in Svanemølle fest zu machen. Abends ruft mein Sohn aus Kiel an und warnt uns vor dem SW-Sturm, der dort gerade bläst. Ob ich das Boot nicht in Kopenhagen lassen wolle? Aber wir wollen versuchen, noch weiter gen Heimathafen zu kommen. Der Wind hat samstagmorgens leicht abgeflaut, oder ist das nur die Abdeckung? Wir laufen zeitig aus. Kurz vor Dragør zieht die erste schwarze Wand auf, und wir steuern Dragør an, um das kleine, im Achterliek reduzierte Groß zu setzen.

Bei Aflandshage, Beginn der Køge-Bucht, erwischt uns die nächste Wand mit voller Wucht, Schauerböen und schlechter Sicht. Strömung gegenan und stetig zunehmender Wind lassen uns nur langsam vorankommen. Dann bläst es mit SW 7-8 Bft - in Böen 9 Bft (Auskunft Kastrup). Nach 2 Stunden Kampf beschieße ich abzulaufen, das ist nicht mehr spaßig! Die Wahl fällt auf einen Hafen, dessen vorgebauter Wellenbrecher Schutz vor den auflaufenden Seen bietet. Wir schießen auf die Küste zu, zwischen Stellnetzen hindurch und sind erleichtert und glücklich. als wir in die Lagune von Ishøj-Vallensbæk einlaufen, wo wir die Segel bergen und einen Platz im Yachthafen Vallensbæk finden. Als wir gespannt in die Bilge schauen, ist zu unserer Überraschung kaum Wasser darin, vielleicht ein Wassereimer voll. In der Kajüte ist alles trocken geblieben. DMI sagt weiter SW 7-8 Bft voraus, wir erkunden den zweiten Hafen Ishøj, der noch geschützter und tiefer in der Lagune liegt. Eine Woche Liegegebühr für das Folkeboot soll 250dkr kosten. Daher verlegen wir das Boot in diesen Hafen, klaren es auf und bereiten uns auf die Rückreise am 31.08.09 mit der Bahn nach Kiel vor.

Ich habe "Tjalfe" nur ungern zurück gelassen, aber sie lag dort wie in Abrahams Schoß.

Zeitbedingt haben Cathy und ich sie dann 2 ½  Wochen später mit dem Trailer geholt, zumal da totale Flaute herrschte. Hans Gebhard lieh uns seinen T5, das ideale Zugfahrzeug. Liegegebühr, Mastlegen, Kranen und Abspritzen des Unterwasserschiffes waren äußerst preiswert und völlig unproblematisch.

Da sollten sich die Häfen bei uns eine Scheibe abschneiden.

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